Als mein Mann Ed von einem Nachbarn hörte, bei ihm sei eingebrochen worden, äußerte er den Wunsch, unsere Alarmanlage auf den neuesten Stand zu bringen. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Wir besaßen zwar eine Alarmanlage von den früheren Eigentümern, hatten sie aber nie aktivieren lassen, da es mir angeblich stets wichtiger gewesen war, monatlich 29 Dollar zu sparen, als Familienerbstücke zu sichern. Also gab ich nach, obwohl ich es für äußerst unwahrscheinlich hielt, dass es Fremde für den mit Messing überzogenen Lions-Club-Briefbeschwerer meines Vaters oder das Kuchenrezept von Eds Mutter riskieren würden, im Gefängnis zu landen. (Aber nur deshalb, weil sie den Kuchen von Eds Mutter noch nicht probiert haben.)
Die Alarmanlagen-Firma schickte uns eine wohlfrisierte Außendienstmitarbeiterin in Kostüm und Pumps. Sie empfahl uns auch ein paar zusätzliche Infrarot-Bewegungsmelder. „Übrigens, können Bewegungsmelder
nicht auch von Haustieren ausgelöst werden?“, fragte ich. Ed flüsterte der Dame ins Ohr: „Wir haben keine Haustiere.“
Die Außendienstmitarbeiterin musterte mich eingehend: meine Schlabberhose, die ausgelatschten Pantoffeln und die ungekämmten Haare.
„Noch haben wir kein Haustier“, räumte ich ein. „Aber vielleicht später einmal.“ Das war gelogen. Ed bevorzugt nämlich Hunde, ich Katzen. Ich erinnerte an unsere Nachbarskatze Sprinkles, die gern auf unserer Terrasse schläft und sich gelegentlich ins Haus schleicht, wenn die Hintertür offen steht.
Da sprach die Dame von „Haustier- Resistenz“. Die Bewegungsmelder könnten so eingestellt werden, dass der Raum lediglich von der Gürtellinie aufwärts gesichert werde.
„Allerdings ...“ Sie zögerte. „Die Katze dürfte sich dann nur auf dem Boden aufhalten.“ Sie verzichtete auf die Verbalisierung der Konsequenz: „Wenn Sie abends ausgehen wollen, müssten Sie ihr K.-o.-Tropfen geben.“ Die Bewegungsmelder wurden installiert, und die Anlage funktionierte einwandfrei. Ed und ich haben uns kein Haustier angeschafft. Aber wir leisteten uns stattdessen nach jahrelangem Hin und Her eine Putzfrau: Natalia. Wir einigten uns darauf, dass sie alle zwei Monate kommen und sich mit dem Buschmesser einen Weg durch den Dreck und die Spinnweben bahnen sollte. Ich gab ihr den Alarm- Code, versprach aber, die Anlage an dem Tag, an dem sie kommt, auszuschalten. Natürlich habe ich es vergessen. Am Vormittag läutete mein Bürotelefon. Es war Natalia, die mit dem Schrillen des Alarms im Duett schrie. Sie konnte den Code nicht finden. Zu allem Überfluss klingelte auch noch mein Handy. Jemand von der Alarmanlagen-Firma wollte das geheime Kennwort wissen, das sie brauchten, um die Anlage abzustellen und die Polizei daran zu hindern, auf schnellstem Weg zu uns zu kommen und Natalia festzunehmen. Das Buschmesser würde ihre Verteidigung vor Gericht gewiss erschweren.
Ein paar Wochen zuvor hatten Ed und ich über das geheime Kennwort für den Alarm gestritten. Ed liebt das komplizierte Kennwort, das aus Großund Kleinbuchstaben mit obskuren Akzentzeichen und Quadratwurzeln zusammengesetzt ist. Wohingegen ich am liebsten meinen Namen verwende. Ich wusste nicht mehr, worauf wir uns verständigt hatten. Alarm und Natalia tönten weiter.
Dann gab mir die Dame am Handy einen Tipp, so wie der Moderator einer Quizsendung aus Mitleid mit dem Kandidaten. „Beginnt mit G.“ „Gaga? Gauner?“ Zum Glück fand Natalia den Zettel mit dem Kennwort schließlich, tippte es ein, und endlich verstummte das Schrillen.
Ich bin mir noch nicht sicher, wie gut unsere Anlage tatsächlich vor Einbrechern schützt. Sicher ist nur, dass Sprinkles seit Wochen nicht mehr auf unserem Grundstück aufgetaucht ist.

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