Pauline Gedge - Die Herrin vom Nil
Gegen alle Etikette ernennt Pharao Thutmosis I. seine Tochter Hatschepsut zu seiner Nachfolgerin. Sie wird die erste Frau auf dem Thron der Pharaonen.
Die Pyramiden, die Sphinx, die Obelisken - der Zauber des alten Ägyptens schlägt uns bis heute in seinen Bann. Viele Fragen sind noch ungeklärt, doch im Lauf der letzten Jahrhunderte kamen Historiker und Archäologen der Lösung manch eines Rätsels auf die Spur.
Eines davon rankte sich um die Pharaonin Hatschepsut, die erste Frau überhaupt, die in die Annalen der Weltgeschichte einging. Diese kluge und ehrgeizige Herrscherin hatte zunächst lediglich die Regentschaft für ihren unmündigen Stiefsohn Thutmosis III. übernommen. Doch gab sie sich auf Dauer nicht mit der Rolle der königlichen Witwe zufrieden. Stattdessen machte sie sich nach nur wenigen Jahren selbst zum Pharao.
Um ihrer Umgebung diesen Schritt annehmbarer zu machen und ihre Macht zu sichern, legte sie sich ein betont männliches Profil zu. So trug sie bei Krönungsfeierlichkeiten den traditionellen Schurz, der Oberkörper hingegen blieb frei, nur Hals und Schultern waren mit kostbarem Geschmeide geschmückt. In späteren Zeiten fügte sie dann auch noch den Königsbart als unverzichtbares Symbol der Macht hinzu. Ob ein derart provozierendes Auftreten große Zustimmung unter den Ägyptern fand, ist zweifelhaft. Doch Hatschepsut hatte nicht nur eine starke Hofpartei hinter sich, sondern erwies sich auch als überaus fähige Herrscherin. Sie vermied militärische Abenteuer und sorgte stattdessen durch eine Wiederbelebung des Außenhandels für ein starkes Wirtschaftswachstum.
Auch durch den Bau beeindruckender Gebäude hinterließ Hatschepsut im Reich am Nil ihre Spuren. Bei Deir el-Bahri am Eingang zum Tal der Könige ließ sie einen imposanten Terrassentempel errichten. Daneben verewigte sie sich auch in der Tempelstadt Karnak. Dort ließ sie zwei gewaltige Obelisken und einen monumentalen Torbau, auch Pylon genannt, errichten.
Rund zwanzig Jahre lang hatte Hatschepsut den Ägyptern Wohlstand und Frieden geschenkt, als eine Rebellion ihres inzwischen längst erwachsenen Stiefsohns Thutmosis III. ihre Herrschaft und wohl auch ihr Leben beendete. Der neue König beeilte sich, jegliche Erinnerung an die ihm verhasste Vorgängerin auszulöschen, sodass selbst in Deir el-Bahri Hatschepsuts Name auf Stelen und Wänden fast überall vernichtet wurde. Vor der Geschichte hatte dieses fanatische Zerstörungswerk jedoch keinen Bestand, denn es war nicht vollständig. Eine Reihe von Zeugnissen und Monumenten blieb erhalten. Sie erlauben es, das Leben Hatschepsuts bis in viele Details nachzuzeichnen.
Der Roman "Die Herrin vom Nil" von Pauline Gedge finden Sie in unserer Buchreihe "Bibliothek der großen historischen Romane".
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