Ohrenstöpsel nicht vergessen! Ab März sind AC/DC wieder in Deutschland auf Tour, um Black Ice live zu präsentieren – das erste Studioalbum der Band seit acht Jahren. Die Magie des lautstarken Quintetts scheint ungebrochen. So waren alle sieben Konzerte im Land binnen zwölf Minuten ausverkauft. Nicht schlecht für eine Band, die ihren minimalistischen Hardrock in den vergangenen 35 Jahren nicht wesentlich verändert hat. Dabei werden Hits wie Hells Bells, Back in Black oder Thunderstruck nicht nur geprägt von den treibenden Gitarrenriffs der Brüder Angus und Malcolm Young, sondern auch durch die Reibeisenstimme des Briten Brian Johnson.

Wir trafen den 61-jährigen Wahlamerikaner und Hobbyrennfahrer in Düsseldorf zu einem Gespräch darüber, wie das Alter auch den schnellsten Rockstar irgendwann einholt.

Reader’s Digest: AC/DC haben in den letzten 35 Jahren 200 Millionen Tonträger verkauft. Warum machen Sie immer noch weiter?

Brian Johnson: Weil wir als reine Promis einfach völlig nutzlos sind. Keine Ahnung, woran das liegt, aber wir geben keine guten Stars ab. Und würde es einer von uns probieren, würde ihn der Rest glatt auslachen. Nach dem Motto: „Was zum Teufel machst du da? Du lässt uns als Band wie einen Haufen Idioten aussehen.“ Deshalb ist es auch so: Wenn ich Autorennen fahre, sage ich dem Veranstalter im Vorfeld, dass die Kommentatoren nur von Brian Johnson aus Sarasota, Florida, reden sollen. Natürlich würden sie gerne damit hausieren gehen, dass da der Sänger von AC/DC am Steuer sitzt, weil das mehr Leute anlocken würde. Aber ich sage ihnen: „Bitte nicht. Die anderen Fahrer halten mich sonst für ein riesiges Arschloch.“

RD: Eine große Ausnahme in einer Welt, die nach Prominenz giert.

Johnson: Und wie! Ich bekomme jeden Tag eine englische Zeitung. Und der komplette Innenteil besteht nur aus Meldungen wie: „Soundso wurde gesehen, als er ein Bier im Three Lions Pub getrunken hat.“ Mann, das ist mir so etwas von schnuppe! (lacht) Soll er meinetwegen das Blut seiner Großmutter trinken. Aber so ist nun mal die heutige Welt. Manche Leute sind berühmt fürs Berühmtsein. Da kann man ihnen nur alles Gute wünschen, denn es dauert ungefähr ein Jahr, und dann sind sie wieder genau das, was sie immer waren: ein Nichts!

RD: Sie sind 61. Wie lange wollen Sie sich den Musikzirkus noch antun?

Johnson: Also ich habe schon vor Beginn der Aufnahmen für unser jüngstes Album zu unserem Produzenten gesagt: „Brendan, bitte lass mich wissen, wenn ich meinen Job nicht mehr richtig mache. Ich bin ein großer Junge, ich werde nicht weinen, sondern einfach verschwinden. Ich werde mich von den Jungs verabschieden, und dann können sie jemanden holen, der es besser macht als ich.“ Das habe ich vollkommen ernst gemeint. Denn ich will nicht derjenige sein, der das Ergebnis verschlechtert. Aber Brendan hat mich nur angeschaut und gesagt: „Okay, wenn du meinst.“ Danach hat er nichts mehr gesagt. Worüber ich offen gestanden sehr froh bin.

 

 

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