Er ist der unbestrittene Meister des Polit-Thrillers: Frederick Forsyth. 1938 im britischen Ashford in der Grafschaft Kent geboren, war er mit 18 Jahren der jüngste Jetpilot der britischen Luftwaffe. Vor seiner steilen Karriere als weltweiter Bestsellerautor arbeitete er als Journalist und Fernsehreporter. Daher stammt auch seine Leidenschaft für akribische Recherche und sein bekannter "heißer Draht" zum britischen Geheimdienst. In seinem Bestseller "Der Afghane" geht es um einen britischen Geheimdienstoffizier, der bei Al-Qaida als Undercoveragent eingeschleust wird.
 

Der Autor im Interview

Reader's Digest: Glauben Sie, dass die Geheimdienste eines Tages wirklich auf die Idee kommen könnten, einen Undercoveragenten bei der Al-Qaida einzuschleusen?
FF: Das Einschleusen eines Undercoveragenten ist riskant, aber es ist schon früher erfolgreich erprobt worden. Im 18. Jahrhundert gab sich z. B. Sir Richard Burton als Moslem aus und gelangte so in die Stadt Mekka – so gut war sein Arabisch – wohl wissend, dass er bei einer Enttarnung getötet worden wäre. Es gibt etliche in Großbritannien geborene Angelsachsen, die bei Arabern als Araber durchgehen könnten.

RD: Glauben Sie, dass es möglich wäre, eine solche Mission zu überleben?
FF: Dazu müssten bestimmte Bedingungen restlos erfüllt sein. Der Undercoveragent müsste aussehen, reden, handeln und beten wie sein Doppelgänger. Außerdem dürfte er niemals jemanden treffen, der die reale Person, die er vorgibt zu sein, gut kennt – die Enttarnung wäre unvermeidlich. Mike Martin war instruiert, niemals mit echten Paschtunen zu verkehren – sie hätten ihn schnell entlarvt. Aber Araber aus der Golfregion konnten sich durchaus täuschen lassen. Und schließlich: Die Mission sollte kurz sein – rein und schnell wieder raus. Martins Fehler war, dass er zu lange blieb.

RD: Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken, gibt es etwas oder jemanden, der Sie in besonderem Maße beeinflusst hat?
FF: Den größten Einfluss auf mein Leben hatte mein Vater. Er war weder berühmt noch reich, noch war er ein Intellektueller. Aber er war der ehrbarste, freundlichste, toleranteste, mitfühlendste, großzügigste und patriotischste Mann, den ich je gekannt habe.

RD: Wird das Schreiben mit der Zeit eher einfacher oder schwieriger?
FF: Die Recherche ist manchmal sehr mühsam, deshalb wird man mit den Jahren weniger dazu in der Lage sein oder auch weniger Lust haben, die Schinderei auf sich zu nehmen, zu den unmöglichsten Orten zu reisen, um sich dort "sachkundig zu machen". Aber in die Schreibmaschine zu hämmern ist ungefähr genau so, wie es immer war – toll, wenn die Wörter nur so fließen, zäh, wenn die Pausen länger werden.

 

Frederick Forsyths "Der Afghane" ist in unserer Buchreihe "Reader's Digest Auswahlbücher" erschienen.

 

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