Deutschland wird bunter
Wie das Anderssein in unserem Land in kleinen Schritten anders wird ...
By RANGA YOGESHWAR
Wie bitte? Können Sie das buchstabieren?“, fragt mein Gesprächspartner. „Ypsilon, Otto, Georg, Emil, Susanne, Heinrich, Walter, Anton, Richard: Y-O-G-E-S-H-W-A-R.“ An manchen Tagen muss ich es am Telefon Dutzende Male herunter-beten. Beim Durchforsten meiner Post wundert es mich manchmal, wie der eine oder andere Brief überhaupt bis zu mir gefunden hat, und dabei hatte ich doch alles genau buchstabiert. Rangeshwar, Yoghurtshow – wilde Mutationen meines Namens zieren die Briefumschläge.
Als ich vor mehr als 20 Jahren im deutschen Fernsehen begann, war ich mit meinem dunklen Teint eine Ausnahme. Ja, es gab Roberto Blanco und einige andere. Sie schmückten Unterhaltungsshows; ein bisschen Spaß muss sein ...
Seriöse Information war damals keine Domäne für Migranten. Als ich das erste Mal vor der Kamera stand, bot mir ein Aufnahmeleiter sogar eine Reihe von Krawatten an. Danke, ich moderiere lieber ohne. Zufällig hörte ich über die Studioanlage, wie er sich Sorgen machte: „Er sieht doch aus wie ein Neger, dem glaubt man doch nicht. Mit Krawatte glaubt man ihm doch eher!“ Er war kein Rassist. Er meinte es nur gut.
Mein erster TV-Auftritt war einsam, aber krawattenlos! Und dem krawattenlosen Wissenschaftsjournalisten mit indischen Wurzeln hat man dann doch geglaubt. Vielleicht spielen Naturwissenschaften für meinen Werdegang eine weit wichtigere Rolle, als ich es mir zugestehen möchte. Wissenschaft umgibt sich mit einem Nimbus der Objektivität und der Allgemeingültigkeit. Alle Körper fallen gleich schnell, egal, ob in Berlin oder in Mumbai. Die Schwerkraft kennt keine Nationalfarben. Vielleicht akzeptiert man daher einen dunkelhäutigen Physiker, der über Schwarze Löcher spricht, eher als eine dunkelhäutige Politikwissenschaftlerin, die sich über das Wirtschaftswachstum in Deutschland auslässt.
Wohl witzelt man vereinzelt im Studio: Meine dunkle Haut kostet den Kameramann zwei Blenden, doch die Technik wird immer besser. Die neuen Chipkameras sind ausgesprochen ausländerfreundlich, und die Maskenbildnerin ist sogar begeistert: „Bei Ihrer Hautfarbe brauchen Sie keine Schminke!“
Dennoch, das Fernsehbild wird bunter, zeigt exotische Schönheiten, die sich dann doch als „Kölsche Mädsche“ entpuppen, für die ein „subjee“ (indisches Gemüsegericht) genauso ein Fremdwort ist wie für Frau Müller. Die hat soeben den Fernsehkanal gewechselt: zum „Musikantenstadl“ – präsentiert von Chitra Krishnan Kutti … Kleiner Scherz, denn noch bedienen die Massenmedien die üblichen Klischees: Der Japaner kichert, der Afrikaner hungert, und der Inder hat sich zum Weltprogrammierer gemausert.
Integration ist eben ein langwieriger Prozess. Mit der Zeit merkt man aber, dass deutsche Fußballmannschaften mit Namen wie Podolski, Gomez, Odonkor oder Kurányi geschmückt sind. Ich muss aber wohl noch warten, bis man es als normal empfindet, bei der Einreise nach Deutschland von schwarzen Grenzbeamten befragt zu werden. Oder von türkischstämmigen Polizistinnen einen Strafzettel wegen überhöhter Geschwindigkeit zu bekommen. Ich bleibe optimistisch. Irgendwann wird es sogar der „Musikantenstadl“ schaffen, und Andy Borgs Nachfolgerin wird im Konfettiregen auftauchen: die bezaubernde Chitra Krishnan Kutti aus Traunstein mit ihrem reizenden oberbayrischen Akzent.
Wie sehen Deutsche mit ausländischen Wurzeln ihr Heimatland?
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