Claudia Sewig - Der Mann, der die Tiere liebte
Er war Deutschlands bekanntester Tierfilmer und Naturschützer, zudem populärer Fernsehmoderator, Oscarpreisträger und Zoodirektor – 2009 wäre Bernhard Grzimek hundert geworden.

Zoodirektor in Frankfurt, Tierfilmer und Oscarpreisträger, Naturschützer und Fernsehmoderator der populären Sendereihe „Ein Platz für Tiere“ – für die Tiere, die ihm so viel bedeuteten, nahm Bernhard Grzimek zeitlebens jedes nur mögliche Engagement wahr, ersann originelle Strategien und nutzte schon früh die Macht der Medien. Seine große Liebe galt Afrika: Seit den frühen Fünfzigerjahren besuchte er mit Sohn Michael regelmäßig den Schwarzen Kontinent. Grzimeks Biografin Claudia Sewig schildert einen dieser Afrika-Aufenthalte:
Natürlich ist Bernhard und Michael Grzimek auch daran gelegen, die afrikanische Kultur und die Tiere auf Film und Fotos zu bannen. Besonders Elefantenbeobachtungen und -aufnahmen reizen sie sehr, nachdem sie damit bei ihrer ersten Afrikareise nicht allzu erfolgreich gewesen waren.
Trotz Dutzender Autopannen schaffen es Vater und Sohn in das elefantenreiche Gebiet des Kongos am oberen Uele-Flusslauf. Dort können sie nach langen Fußmärschen ihre ersten Waldelefanten sehen, fotografieren und filmen. „Wenn doch ein Staat den Anfang machte und die Einfuhr von Elfenbein verböte!“, schreibt Bernhard Grzimek damals im Angesicht der imposanten Tierriesen. Dabei ist Grzimek weder damals noch später generell gegen die Jagd eingestellt, auch wenn das viele Jäger verärgert annehmen. Er differenziert sehr genau: Die Elefantenjagd um des Tötens und der Trophäen willen verurteilt er als „verabscheuungswürdiges Vergnügen für sehr reiche Leute“.
Glücklich mit ihren rein „optisch erlegten“ Elefanten fahren die beiden weiter. An einer Telegrafenstation erfährt Bernhard Grzimek nach langem Nachfragen, dass hier tatsächlich vor Kurzem ein Telegramm eingegangen ist, auf das er schon lange wartet. Es ist die Erlaubnis, den Garamba-Nationalpark an der Grenze zum Sudan zu besichtigen – die einzige Stelle im Kongo, an der Breitmaulnashörner leben. Auch Giraffen gibt es dort.
Kaum sind die Grzimeks, begleitet von Wildhütern, in den Park eingefahren, galoppieren vier der langhalsigen Tiere auf das Auto zu und bleiben neugierig in etwa achtzig Meter Entfernung stehen. „Ich habe in meinem Leben viel mit Tieren erlebt. Aber in einem solchen Augenblick muss ich doch den Atem anhalten.“ Nur wenige Kilometer entfernt sitzt ein junger Löwe auf dem Weg. Die Mutter liegt mit noch drei Jungtieren einige Meter weiter im Gebüsch. Bernhard Grzimek kennt kein Halten mehr. Mit seiner umgehängten Fotokamera lässt er sich seitwärts aus dem Auto gleiten und macht aus nächster Nähe ein paar Bilder. Erst zurück im Auto, so schreibt er später, wird ihm sein Leichtsinn bewusst: „Wenn man täglich zu Hause mit Raubkatzen umgeht und sie so zahm sind, dass man sie streicheln kann, dann bildet man sich unwillkürlich ein, dass man alle so behandeln kann.“
Claudia Sewigs "Der Mann, der die Tiere liebte" finden Sie in unserer Buchreihe " Im Spiegel der Zeit".
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