Chris Howland – Yes, Sir!
Als „Mister Pumpernickel“ war er Deutschlands erster Discjockey, „Musik aus Studio B“ und „Vorsicht Kamera!“ sind legendär.
1948 kam der junge Chris Howland nach Hamburg, um als Sprecher für den Militärsender „British Forces Network“ zu arbeiten. Er ahnte nicht, dass er wenige Jahre später nicht nur Deutschlands erster „Schallplattenjockey“ werden, sondern auch mit Fernsehsendungen wie „Vorsicht Kamera!“ und „Musik aus Studio B“ Kultstatus erlangen sollte. Dabei war es, wie er sich erinnert, reiner Zufall, dass er 1952 nach dem Besuch einer Cocktailparty beim deutschen Rundfunk landete:
Wir fuhren die Rothenbaumchaussee entlang und am weißen NWDR-Studio vorbei, als Kay mich in die Rippen stieß und sagte: „Ich wette, du traust dich nicht, da reinzugehen und sie zu fragen, ob sie dir eine eigene Radioshow geben!“
Sie hatte kaum ihren Satz beendet, als ich rechts ranfuhr, aus dem Auto sprang und sie allein am Straßenrand zurückließ.
Ich rannte am Haupteingang am Portier vorbei in die Empfangshalle. Es war dunkel und kühl. Ein junges Mädchen stand hinter dem Tresen und lächelte. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie. Zumindest glaube ich, dass sie das fragte, weil ich keinerlei Deutsch verstand.„Ich will den Leiter Ihrer Musikabteilung sprechen“, sagte ich und fügte sicherheitshalber hinzu: „Ich komme vom BFN.“Wahrscheinlich gab die Erwähnung des BFN den Ausschlag. Sie griff zum Telefonhörer, sprach ein paar Worte hinein und bat mich dann, die Treppe hinaufzugehen, wo jemand mich in Empfang nehmen werde.An diesem Punkt wusste ich, dass ich schnell machen musste, denn meine Impulsivität (und der Gin) würden nicht ewig vorhalten. Ich musste mein Eisen schmieden, solange es noch heiß war. Ich eilte die Treppe hinauf, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, und eine Sekretärin brachte mich oben in das Büro eines sehr überraschten Mannes mit dem Namen Christian Törsleff.
„Ich bin derjenige, auf den Sie gewartet haben!“, sagte ich, noch ganz außer Atem – und auf Englisch.
Christian war ein kleiner, dunkelhaariger Mann, der ein wenig schüchtern wirkte. Er starrte mich an, als ob er einen Geist sähe. „Äh – und was wollen Sie machen …?“
„Hören Sie“, fiel ich ihm ins Wort. „Sie wissen, dass der BFN Millionen von deutschen Hörern hat. Geben Sie mir eine Stunde pro Woche und ich werde diese Leute zum NWDR zurückholen, wo sie hingehören!“
Was redete ich da? Was für eine Behauptung! War ich verrückt geworden? Aber es war zu spät. Ich musste die Sache zu Ende bringen.
Statt mich hinauszuwerfen – was ein anderer vielleicht getan hätte –, setzte sich Herr Törsleff hin und dachte einen Moment lang nach. Dann griff er zu seinem Terminkalender und blätterte darin herum. Ich saß da, sah ihm zu und wagte kaum zu atmen. Nach einer Weile schob er das Buch zur Seite. „Sie können im September anfangen, wenn Sie wollen!“, sagte er.
Wie es beim NWDR und später beim Fernsehen weiterging und wie Chris Howland außerdem als Sänger und Filmschauspieler Erfolge feierte, erfahren Sie neben einer Reihe interessanter privater Einblicke in seiner Autobiografie „Yes, Sir!“, die in unserer Buchreihe „Im Spiegel der Zeit“ erschienen ist.
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